Als mein Islandpferd Eldur damals eine Futterberatung bekam, brauchte ich Fotos. Ganz einfache Fotos, auf denen man seinen Körper gut erkennen kann – seinen Futterzustand, seine Muskulatur, seine Form. Ich dachte: Das ist doch schnell gemacht.
War es aber nicht. Meine ersten Versuche waren unbrauchbar. Mal stand Eldur ungünstig, mal fiel die Sonne so auf ihn, dass er plötzlich viel zu dünn wirkte, mal war ich zu nah dran und er sah verzerrt aus wie im Zerrspiegel. Erst als ich verstanden hatte, worauf es ankommt, entstanden Zustandsfotos vom Pferd, auf denen man Veränderungen wirklich erkennen und vergleichen kann. Und ich habe gemerkt, wie unglaublich wertvoll das ist. Genau darum geht es in diesem Artikel.
Das Wichtigste in Kürze
- Zustandsfotos zeigen dir Veränderungen an Gesundheit, Futterzustand und Muskulatur deines Pferdes – oft früher, als du sie im Alltag bemerkst.
- Ein Handy reicht völlig aus. Wichtiger als die Technik ist, dass du weißt, worauf du achten musst. 😉
- Damit die Fotos aussagekräftig sind, müssen sie vergleichbar sein: gleicher Ort, ähnliches Licht, entspannt stehendes Pferd, immer dieselben Perspektiven.
- Fotografiere dein Pferd am besten regelmäßig, etwa einmal im Monat.


Warum dir Veränderungen an deinem eigenen Pferd oft entgehen
Irgendwann wurde mir plötzlich bewusst: meinem Islandpferd Eldur ging es nicht gut. Es war allerdings eher sein Fell und die Haut, die mir zuerst Sorgen bereiteten. Das Fell war struppig und stumpf. Und er kratzte sich ständig überall, obwohl gar keine Insekten unterwegs waren. Dadurch war er nicht mehr so gut gelaunt wie früher.
Erst als ich ihn mir dann mal wirklich genau anschaute, stellte ich noch mehr fest: er war ziemlich dünn und kantig geworden. Über seinen Augen waren tiefe Kuhlen. Die Hufe waren rissig.
Wie mir das nicht früher auffallen konnte?
Tja, gute Frage.
Leider ist es so, dass das Gehirn alles Gewohnte ausblendet. Sonst wären wir tagtäglich völlig überfordert mit so vielen Eindrücken, die wir verarbeiten müssten. Also eigentlich ziemlich schlau von der Natur. 😉 Schleichende Veränderungen, werden so allerdings auch nicht wahrgenommen.
Wenn du fast täglich bei deinem Pferd bist, sind die Veränderungen selten von einem Tag auf den anderen da. Wenn es nicht gerade eine Verletzung oder deutliche Krankheit ist…
Deshalb sind wir oft überrascht, wenn wir aus dem Urlaub zurückkommen und plötzlich feststellen: „Ups, der hat aber einen ganz schön runden Bauch bekommen“.
Oder du bekommst Besuch und die Freundin, die dein Perd ein halbes Jahr nicht gesehen hat, stellt fest „Der ist aber ganz schön dünn geworden, oder?“
Oder wie in meinem Fall mit Eldur: plötzlich fällt einem etwas auf und man fragt sich „Seit wann ist das denn? Oder war das vielleicht schon immer so?“

Ich habe damals natürlich zuerst den Tierarzt gerufen. Das Blutbild war aber soweit okay. Mir war dennoch klar, dass etwas nicht stimmte. Und das es etwas ganzheitliches war. Also etwas, das auf den ganzen Organismus wirkt. So war meine 2. Idee eine Futterberatung…
Und kurz zusammengefasst: das war bei Eldur damals die Lösung. Mehr Heu, anderes Mineralfutter, besser verwertbare Zusätze und das in einer Kombination, die der Körper auch wirklich aufnehmen kann. Die Verwandlung (siehe Foto oben) ist krass, oder?

Gute Fotos sind besser als ein vages Bauchgefühl
Stell dir vor, du möchtest jemandem beschreiben, wie sich dein Pferd verändert hat. Meistens kannst du dann nur so etwas sagen, wie: „Ich glaube, er ist etwas dicker geworden.“ Oder: „Ich habe das Gefühl, der Rücken hängt seit Neuestem ein bisschen mehr durch.“
Ein Gefühl.
Eine Ahnung.
Aber nichts Konkretes. Nichts, dass du wirklich zeigen kannst.
Genau deshalb sind gute Fotos so wichtig. Sie zeigen genau, wie der Zustand deines Pferdes gerade ist.
Und wenn sie dann auch noch gut vergleichbar sind, kannst du die Veränderungen deutlich erkennen. Dort ist die Hinterhand noch etwas kantig. Hier sieht man schon deutlichere Muskeln und dadurch eine rundere Hinterhand.
Dann wird aus einem vagen Bauchgefühl etwas Sichtbares.
Und genau damit kannst du viel besser zu deinem Tierarzt gehen. Auch deine Futterberaterin, Osteopathin/Physiotherapeutin oder Trainerin wird sich freuen. Viele sehen dein Pferd ja nur ein paar Mal im Jahr. Vielleicht sogar nur online.
Vergleichbare Fotos helfen ihnen, dein Pferd auch auf Distanz gut einzuschätzen und dich besser zu begleiten.
Ihr könnt so auch viel früher reagieren, wenn das Training oder die Futterumstellung nicht in die gewünschte Richtung geht. Denn, wenn der Rückenmuskel schon atrophiert ist, der Axthieb oder die Rippen deutlich sichtbar, braucht es eben auch viel mehr Anstrengung (sowie Zeit und Geld) um das wieder zu korrigieren.
Und es bringt dir einfach viel mehr Sicherheit!
Meistens stimmt unser Bauchgefühl ja. Aber wenn du es auch noch mit Fotos belegen kannst, ist das unglaublich wertvoll.

Warum die meisten Handyfotos nicht hilfreich sind
Der Grund sind fast immer diese 3 Dinge: kein ideales Licht, falscher Abstand und wie dein Pferd gerade da steht.
Vielleicht denkst du jetzt: Fotos mache ich doch sowieso ständig. Und ja… aber die meisten Schnappschüsse zeigen dein Pferd leider nicht besonders realistisch. Und vergleichbar sind diese Fotos oft auch nicht. 😉
Ich zeige dir, woran das liegt:
Der größte Faktor ist das Licht. Bestimmt hast du auch schon mal in einer Umkleidekabine gestanden und dich gefragt, warum du so furchtbar aussiehst… und dann dem Licht die Schuld gegeben. Und damit hast du recht! In Umkleiden kommt das Licht oft von oben, so dass selbst kleinste Augenringe sofort einen monströsen Schatten werfen. 🐼
Bei Pferden ist das genauso. Fällt die Sonne im ungünstigen Winkel auf den Körper, betont sie plötzlich jeden Hüfthöcker und jede Rippe und dein eigentlich schlankes Pferd wirkt auf dem Foto knochig und viel zu dünn. Einen Tag später, bei anderem Licht, sieht dasselbe Pferd wieder ganz anders aus. So kannst du natürlich nichts vergleichen.

Der zweite Faktor ist der Abstand. Gehst du mit dem Handy zu nah ran, verzerrt die Perspektive den Körper deines Pferdes: der Kopf wirkt riesig, der restliche Körper dagegen total klein. Oder dein Pferd wirkt plötzlich total überbaut. So ist eine realistische Einschätzung nicht möglich.
Und der dritte Faktor ist die Haltung deines Pferdes. Steht dein Pferd einmal ausbalanciert und einmal mit vorne offenen Beinen, verändert das mehr als du denkst. Ein Pferd, das nicht ausbalanciert steht, kompensiert das Ungleichgewicht automatisch. So sind manche Muskeln plötzlich aktiver und wirken dadurch größer. Denk an den Bodybuilder… der spannt seine Muskeln auch an, um zu zeigen wie beeindruckend groß diese sind. 😉
| Worauf es ankommt | Ungünstig | Ideal |
| Licht | pralle Sonne, harte Schatten | bewölkter Tag, weiches Licht |
| Abstand | nah dran, verzerrt | ein paar Meter, mind. 2-fach-Zoom |
| Haltung | unausbalanciert | ausbalanciert, Gewicht auf allen 4 Hufen |
| Perspektive | mal so, mal so | immer von links, rechts, vorne, hinten (möglichst mittig) |

Wie macht man aussagekräftige und vergleichbare Zustandsfotos?
Tatsächlich ist es gar nicht so kompliziert. Du brauchst nur dein Handy und ein bisschen Zeit.
Das sind die wichtigsten Zutaten:
- Der richtige Ort: eine ebene Fläche und ein Platz, an dem dein Pferd entspannt ist. Am besten immer derselbe. Dann sind deine Fotos später vergleichbar.
- Das richtige Licht: ein bewölkter Tag ist ideal. Weiches, gleichmäßiges Licht zeigt den Körper deines Pferdes am Ehrlichsten (ohne harte Schatten, die Rippen oder Hüfthöcker künstlich betonen).
- Die richtige Haltung: dein Pferd steht ruhig und ausbalanciert, das Gewicht möglichst gleichmäßig auf allen vier Beinen, Hals und Kopf gerade und normal aufgerichtet.
- Die richtigen Perspektiven: fotografiere von beiden Seiten, von vorne und von hinten. So bleiben Hals, Schulter, Rücken, Hinterhand und Beinstellung über die Zeit gut vergleichbar.
- Der richtige Abstand: stell dich ein paar Meter entfernt, mittig zu deinem Pferd, und halte das Handy auf mittlerer Höhe des Pferdekörpers. Wenn du magst, nutze den 2-fach-Zoom – das verringert die Verzerrung.
- Der richtige Rhythmus: mach diese Fotos regelmäßig, am besten etwa einmal im Monat. Erst die Wiederholung macht Veränderungen wirklich sichtbar. Und dein Pferd und du werden immer routinierter bei dieser Übung.
Klingt nach viel? Im 1. Moment vielleicht schon. Aber wenn du es ein paar Mal gemacht hast und dein Pferd auch weiß, dass es einfach nur stehen bleiben braucht, wird es immer leichter und dauert nur noch ein paar Minuten.
Wichtig ist nicht das 100% perfekte Foto: wichtig ist die Wiederholung unter möglichst ähnlichen Bedingungen.


Für wen lohnen sich vergleichbare Fotos besonders?
Generell sind solche Zustandsfotos für jeden Pferdebesitzer wertvoll. Denn manche Veränderungen, wie die von Eldur, passieren schleichend und ungewollt.
Besonders spannend ist so ein Foto-Tracking immer dann, wenn:
- Du ein junges Pferd hast, das noch wächst und sich eh ständig weiterentwickelt.
- Du eine Futterumstellung machst.
- Dein Pferd Muskulatur aufbauen oder auch abbauen (z.B. am Unterhals) soll.
- Dein Pferd nach einer Verletzung in der Reha ist.
- Dein Pferd eine Trageerschöpfung hat und du Fortschritte oder auch Rückschritte feststellen willst.
Es ist auch extrem motivierend, wenn du so sehen kannst, was dein Training bringt. Denn manchmal sind wir so im Tun und so fokussiert auf das Negative, das wir gar nicht sehen und damit auch nicht würdigen, was wir schon erreicht haben!
Und wenn du selbst im Pferdebereich arbeitest… als FutterberaterIn, TrainerIn, SattlerIn, OsteopathIn oder TherapeutIn. Dann kennst du das Problem von der anderen Seite: Du bekommst von deinen KundInnen Fotos, auf denen man leider oft gar nichts erkennen kann. Wenn deine KundInnen wüssten, wie man brauchbare Fotos macht, könntest du sie viel besser begleiten, gerade auf Distanz. Genau dafür habe ich eine einfache Lösung (dazu gleich mehr).

Achtsam fotografieren: auch beim Gesundheits-Check
Eine Sache ist mir dabei besonders wichtig, weil sie zu allem gehört, was ich tue: Auch bei Zustandsfotos soll dein Pferd entspannt sein.
Du brauchst keine Hilfsmittel, keine raschelnden Tüten, keine Apps, die Pferdewiehern abspielen, um die Ohren nach vorne zu locken. Für ein ehrliches Gesundheits-Foto ist genau das sogar ein Problem! Du willst dein Pferd ja so festhalten, wie es wirklich ist, ruhig und natürlich. Mehr zu Achtsamer Pferdefotografie findest du hier.
Deshalb nutze einen Moment, der eh schon entspannt ist. Und dann mach ganz in Ruhe und mit etwas Geduld die Fotos. Wenn dein Pferd zu dir schaut, warte einfach ein bisschen und stell dir in Gedanken vor, wie dein Pferd wieder entspannt nach vorne schaut. Kommt es zu dir, freu dich darüber und versuche es einfach nochmal. Vielleicht lässt du es von einer 2. Person festhalten oder machst die Fotos gleich am Putzplatz.
Du möchtest jetzt regelmäßig Zustandsfotos machen. Sieh es also als neue Übung, die du deinem Pferd vielleicht erst einmal beibringen darfst.


Von der Theorie in die Praxis: das Videotraining „Pferd im Blick“
Nun weißt du, was wichtig ist für realistische und vergleichbare Zustandsfotos von deinem Pferd.
In der Praxis ist es dann aber oft doch nicht so einfach.
- Wo genau musst du dich positionieren, damit die Hinterhand nicht überbaut wirkt oder die Beine zu kurz?
- Ist das Foto jetzt wirklich realistisch oder täuscht es doch noch? Woran erkenne ich das?
- Wie bringe ich mein Perd dazu entspannt zu stehen?
Genau dafür habe ich alles Wichtige in einem kompakten Videotraining zusammengestellt: herausgekommen ist „Pferd im Blick“.
In rund 40 Minuten zeige ich dir Schritt für Schritt, wie du mit deinem Handy realistische und vergleichbare Zustandsfotos von deinem Pferd machst: von der Wahl des Ortes, über das Licht bis zur richtigen Haltung und Perspektive. Mit vielen Beispielfotos, um dir zu zeigen, was nicht ideal ist und wie du es besser machst.
Dazu bekommst du einen Spickzettel zum Ausdrucken, den du dir einfach mit in den Stall nehmen kannst. So hast du die wichtigsten Punkte immer griffbereit und kannst direkt loslegen.

Es geht mir dabei nicht um perfekte Hochglanzbilder. Es geht darum, dass du dein Pferd gut im Blick behältst: für viele gemeinsame, gesunde Jahre. 🙂
Ganz liebe Grüße,
Deine Jessica
P.S.: Hast du schonmal solche Zustandsfotos für eine Futterberatung oder deinen (Online)-Trainer machen müssen? Wie sind deine Erfahrungen dabei? Schreib es mir unter den FAQ in die Kommentare.

Häufige Fragen zu Zustandsfotos vom Pferd
Für die meisten Pferde reicht es, etwa einmal im Monat ein Foto-Set (links, rechts, vorne, hinten) zu machen. Bei einer Futterumstellung, im Muskelaufbau oder bei leichtfuttrigen Pferden in der Weidesaison darfst du auch etwas engmaschiger fotografieren.
Am besten fotografierst du an einem bewölkten Tag. Das weiche, gleichmäßige Licht zeigt den Körper deines Pferdes am ehrlichsten, ohne harte Schatten, die Rippen oder Hüfthöcker künstlich betonen.
Ja, dein Handy reicht völlig aus. Viel wichtiger als die Kamera ist, dass du weißt, worauf du achten musst: gleicher Ort, ähnliches Licht, entspannt stehendes Pferd, immer dieselben Perspektiven und ein passender Abstand.
Vergleichbare Fotos machen Veränderungen an Gesundheit, Futterzustand und Muskulatur sichtbar – oft früher, als du sie im Alltag bemerkst. Außerdem kannst du sie Fachleuten wie Futterberaterin, Tierärztin oder Therapeutin zeigen, die dein Pferd so noch besser einschätzen und begleiten können.

Über die Autorin
Hallo, ich bin Jessica Freymark, achtsame Pferdefotografin und unterstütze seit 2017 Menschen dabei, viele wunderschöne und natürliche Fotos von ihren Pferden zu bekommen. In meinem Blog teile ich praxisnahe Tipps, Erfahrungen und Inspiration rund um den achtsamen Umgang mit Pferden und die Pferdefotografie.


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