Hast du dich schon einmal gefragt, warum du eigentlich Pferde liebst? Und warum du mit ihnen tust, was du tust?
In diesem Blogartikel möchte ich genau darüber einmal mit dir gemeinsam nachdenken. Du erfährst meine Gedanken und Überzeugungen, wirst aber auch dazu eingeladen mithilfe von Reflexionsfragen zu einem eigenen Ergebnis zu kommen. Nimm dir deshalb unbedingt einen Stift oder eine Notiz-App und schreibe dir schon beim Lesen jede Erkenntnis auf, die dir zu deinem eigenen Umgang mit Pferden kommt.


Verbindung erleben – mein größter Wunsch
Ich persönlich möchte diese Verbundenheit mit dem Pferd erleben…
Eine Verbindung auf emotionaler und vielleicht auch auf Seelenebene. Ich liebe es, wenn sich dieses andere Lebewesen, das logischerweise so ganz anders ist als Menschen und mit dem ich nicht direkt sprechen kann, meine Nähe sucht.
Wenn es gerne Zeit mit mir verbringt.
Von sich aus.
Das sind für mich die größten Glücksmomente.

Vielleicht kennst du noch den Film „Der Schwarze Hengst“. Das Bild, wie der Junge mit dem schwarzen Hengst gemeinsam über den Strand rennt…
Das war das Bild und das Gefühl, das ich immer im Kopf hatte, wenn es um Pferde ging.
Das war meine Motivation.
Mein Hobby war nie das Reiten. Mein Hobby waren schon immer einfach die Pferde.
Überleg einmal, wie das bei dir ist.
Was sagst du, wenn dich jemand fragt, was du für Hobbies hast?
Reiten oder Pferde?


Arbeitspferd, Sportpferd, Freizeitpartner oder erleuchtetes Wesen
Früher waren Pferde lebensnotwendig. Sie halfen mit die Felder zu bestellen, transportierten Menschen und Waren.
Sie hatten eine Aufgabe.
Ich kann natürlich nicht genau sagen, wie sie sich dabei gefühlt haben und wie gut sie wirklich versorgt wurden. Aber heutzutage habe ich oft das Gefühl, dass Pferde, die eine Aufgabe haben, glücklich damit sind. Solange sie gut behandelt werden und nicht ausgenutzt werden.
Genau das gleiche gilt für Sportpferde. Aber leider sehe ich dort sehr sehr viele ausgebeutete, unterdrückte und misshandelte Pferde… Gute pferdefreundliche Sportreiter sind leider die Ausnahme, nicht die Regel.
Wenn du hier auf meinem Blog gekommen bist, siehst du dein Pferd wahrscheinlich als Freizeitpartner.
Aber auch hier gibt es viele verschiedene Strömungen:
Auf der einen Seite gibt es den ambitionierten Freizeitreiter, der viel Unterricht nimmt und vielleicht auch das eine oder andere Turnier mitnimmt.
Auf der anderen Seite der Skala der Pferdemensch, der Pferde als Botschafter sehen. Erleuchtete Wesen, die hier sind, um uns in eine neue Bewusstseinsstufe zu bringen. Die uns helfen wollen uns weiterzuentwickeln. Hier stellt sich dann schonmal die Frage, mit welchem Recht wir so einem Wesen überhaupt ein Halfter anziehen und es von A nach B führen dürfen?!
Klingt verrückt für dich?
Dann guck doch mal aus der Alien-Perspektive drauf. Wenn du von außen auf diese Welt guckst und siehst wie ein Lebewesen ein anderes an der Leine durch die Gegend führt… wie wirkt das auf dich?
Ich selbst war schon auf beiden Seiten des Spektrums… heute liege ich wohl irgendwo dazwischen. Ich mache was mit meinen Pflegepferden… aber bin dabei sehr achtsam und nehme auch oft Rücksicht auf die Bedürfnisse und Wünsche des Pferdes.


Warum verbringe ich Zeit mit Pferden
Ich habe dir schon vom schwarzen Hengst erzählt und dass für mich dieses Gefühl der Verbundenheit mit dem Lebewesen Pferd das Schönste ist.
Aber natürlich mache ich auch sehr gerne Dinge mit Pferden… Gymnastizierende Bodenarbeit, Freiarbeit…

Und da kenne ich auch gut das Gefühl etwas erreichen zu wollen.
Ein Ziel zu erreichen.
Weil es cool ist. Weil ich das gerne können möchte. Für mein Ego.
Oder weil ich es gerne jemandem zeigen möchte. Für Anerkennung.
Eine Zeitlang habe ich damit gehadert. Mich geschämt und manchmal sogar verurteilt.
Heute habe ich damit Frieden geschlossen. Und ich akzeptiere, dass das für mich wichtig ist. Aber ich will das nicht auf Kosten der Beziehung zu den Pferden erreichen! Die Verbundenheit ist das Wichtigste!
Deshalb sehen meine Ziele heute so aus:
- Ich möchte noch freier (mit weniger Hilfsmitteln) und feiner mit den Pferden kommunizieren.
- Ich möchte, dass die Pferde Spaß daran haben gemeinsam etwas mit mir zu tun und auch gemeinsam etwas Neues zu lernen und zu erleben.
- Ich möchte, dass die Pferde nach der „Arbeit“ mit mir im Idealfall zufriedener sind als vorher. Dass sie schöner, stolzer, selbstsicherer, mutiger oder glücklicher geworden sind.

So kann ich auch mal mehr fordern… weil ich es aus der Gewissheit heraus mache, dass ich es FÜR das Pferd tue.
Und das spürt das Pferd auch.
Ich werde quasi zum Motivator, zum Coach, zum Physiotherapeuten oder Vertrauenslehrer für mein Pferd.
Das ist ein völlig anderes Gefühl, als wenn ich das für mein Ego oder für Anerkennung von außen tue. Oder „weil man das eben so macht“.

Egal was ich tue, ich achte dabei immer auf die Mimik des Pferdes. Auf die Stimmung, die Energie, den Muskeltonus. Macht es noch gerne mit? Hat es Spaß?
Oder wird es gerade eher anstrengend oder schwierig?
Dann breche ich aber auch nicht gleich ab. Ich überlege, ob ich es einfacher oder klarer für mein Pferd machen kann. Oder mit was ich es mehr motivieren kann. Wie kann ich mehr loben?


Die Gewohnheits-Falle
Vieles machen wir einfach aus Gewohnheit.
Überlege einmal wie ein klassischer Tag am Stall bei dir aussieht. Was tust du jedes Mal?
Und dann frag dich mal, warum du das tust. Und ob das überhaupt nötig ist.
Auch ich darf mich da immer mal wieder selbst rausholen und gucken: mache ich das wirklich noch fürs Pferd oder doch eher für mich? Oder weiß ich nicht mal, warum ich es tue?


Arbeit, Training oder Spiel… eine Definitionsfrage
Das Wort „Arbeit“ hat oft schon einige negative Assoziationen. Arbeit ist anstrengend. Arbeit macht oft keinen Spaß.
Deshalb wird im Natural Horsemanship oft vom „Spielen“ gesprochen. Aber für mich bedeutet Spielen, dass beide Spielpartner jederzeit frei entscheiden können, ob sie noch Lust darauf haben. Sie sind sich über die Spielregeln einig. Beide sind gleichberechtigt. Und das ist oft nicht der Fall. Meistens ist es ja der Mensch, der dem Pferd sagt, was es bitte tun soll.
Das Wort „Training“ bedeutet, dass man konkret an etwas arbeitet. Man trainiert um besser zu werden… kräftiger, ausdauernder, koordinierter, agiler. Oder um etwas Neues zu lernen.
Ich nutze heute alle 3 Begriffe… je nachdem was am Ehesten zutrifft.
Welche Begriff nutzt du?


Weitere Reflexionsfragen für dich:
Jetzt bist du dran.
Bitte nimm dir einen Zettel und einen Stift. JA, mach das unbedingt schriftlich. Du wirst automatisch länger nachdenken und die Erkenntnisse werden tiefer und weitreichender sein. Natürlich kannst du auch ein digitales Dokument öffnen oder deine Gedanken mit einer Diktierfunktion ins Handy sprechen.
Sei unbedingt ehrlich mit dir. Auch wenn es weh tut.
Schreib alles auf. Auch die negativen Gefühle und Gedanken. Du musst sie niemandem sagen oder zeigen… aber es wird dir helfen.
Du musst auch nicht alle Fragen beantworten. Starte erstmal mit denen, die dir leicht fallen. Oft sind die größten Erkenntnisse aber dort versteckt, wo es schwierig wird. 😉
Ok, bereit?
Dann geht es jetzt los:
- Wie bist du zu Pferden und zum Reiten gekommen?
- Kannst du dich noch an das Gefühl erinnern, das Pferde ganz am Anfang in dir ausgelöst haben?
- Wann hat sich dieses Gefühl verändert? Oder ist es noch genauso da?
- Wie hat sich dein Umgang mit Pferden im Laufe der Zeit verändert?
- Warum hast du Dinge verändert? Zum Beispiel in der Haltung, bei der Ausrüstung, beim Training oder im täglichen Umgang?
- Wenn du daran denkst, heute zu deinem Pferd (RB, Pflegepferd) zu fahren… welches Gefühl und welche Gedanken löst das bei dir aus?
- Wie fühlt sich das an, wenn dein Pferd dich ignoriert? Was denkst du? Was tust du?
- Wie fühlt sich das an, wenn dein Pferd vor dir wegläuft? Was denkst du? Was tust du?
- Wie fühlt sich das an, wenn dein Pferd eine Lektion, die es eigentlich kennt, nicht ausführt? Was denkst du? Was tust du?
- Machst du jedes Mal etwas mit deinem Pferd oder bist du auch einfach nur mal da?
- Entscheidest du dich auch mal um oder ziehst du deinen Plan immer durch? Was bringt dich dazu dich umzuentscheiden?
- Warum machst du Bodenarbeit mit deinem Pferd?
- Warum reitest du es?
- Warum hast du ein eigenes Pferd? Oder vielleicht auch: warum hast du kein eigenes?
Wahrscheinlich werden dir im Laufe der nächsten Stunden und Tage immer wieder weitere Punkte einfallen. Schreib sie unbedingt auf.
Und geh gerne noch tiefer rein.
Ganz wie ein Kind, dass immer wieder „Warum?“ fragt… frag dich immer wieder, warum du dies oder jenes tust. So wirst du immer tiefer kommen.
Wenn du dich noch nie intensiver damit auseinander gesetzt hast, werden die Erkenntnisse nach und nach kommen.
Ich wünsche dir ganz viel Spaß dabei und tolle Erkenntnisse. Ich freu mich sehr, wenn du mir schreibst, ob du überraschende Erkenntnisse hattest oder auch warum du Pferde als Hobby hast.


Fazit
Es gibt viele verschiedene Gründe, warum wir etwas mit unseren Pferden tun. Die einen haben Pferde, weil sie Reiten wollen… Für diejenigen ist es auch logisch sich ein neues Pferd zu kaufen, sobald das alte nicht mehr reitbar ist.
Wahrscheinlich bist du aber hier, weil du einfach Pferde liebst. Reiten ist für dich nur eine Sache, die du mit deinem Pferd machen kannst (oder auch nicht). Da ist es dann besonders spannend tiefer zu schauen: warum liebst du Pferde? Warum tust du mit ihnen, was du tust?
Bei mir sind es diese Gründe:
- Verbundenheit mit dem Wesen Pferd erleben
- Selbst Spaß haben wollen (Spaß habe ich aber nur, wenn auch das Pferd gerne mitmacht!)
- Das Pferd bespaßen und beschäftigen wollen
- Bewegung und Gymnastizierung (für die Gesunderhaltung generell, ohne dass ich es reiten will)
- Dem Pferd helfen, sich wohler in seinem Körper zu fühlen
- Dem Pferd helfen, selbstbewusster und mutiger zu werden
- Das Pferd schöner und stolzer machen
- Aber ja, auch Ego und Anerkennung
- Und ein Stückweit aus Gewohnheit
Wenn du mehr über Pferdemimik, Verbundenheit und den achtsamen Umgang mit Pferden von mir lernen möchtest, hol dir hier dein Ticket für mein nächstes Onlineseminar „Achtsamkeit und Verbundenheit“ (klick)

Über die Autorin
Hallo, ich bin Jessica Freymark, achtsame Pferdefotografin und unterstütze seit 2017 Menschen dabei, viele wunderschöne und natürliche Fotos von ihren Pferden zu bekommen. In meinem Blog teile ich praxisnahe Tipps, Erfahrungen und Inspiration rund um den achtsamen Umgang mit Pferden und die Pferdefotografie.


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