[Werbung] Regeln & Routinen im Pferdetraining. So meistert ihr Alltagssituationen – ein Buch von Bernd Hackl und Kerstin Rester
Wahrscheinlich kennen wir Bernd und Kerstin alle von den vox Pferdeprofis. Ich auch. Dieses Buch versprach nun also interessante Hintergründe zu ihrer Arbeitsweise. Ob es sich lohnt, erfährst du in dieser Buchrezension.


Die 51/49 Partnerschaft
Schon als ich mir die Klappen-Innenseite am Anfang des Buches anschaue, sehe ich, dass ich hier richtig bin. Mit dem, was sie als die 10 Grundregeln des Pferdetrainings aufzählen, kann ich mitgehen. So brauchen Pferde laut Bernd und Kerstin vor allem „Struktur, Konsequenz und liebevolle Führung“.
Was mich tatsächlich etwas überrascht hat, was ich aber auch toll finde, ist ihr Endziel, was sie so definieren:
„Aus unserer Sicht gibt es mit einem Pferd keine solide Partnerschaft, die 50/50 aufgeteilt ist. Im Idealfall landen wir irgendwann bei 51 Prozent für den Menschen und 49 Prozent für das Pferd.“
Zitat aus dem Buch „Probleme sind lösbar“
Wenn es um das Thema Respekt und Vertrauen geht – worum es ja eigentlich auch in jedem Pferdetrainings-Buch mindestens einmal geht – ist es immer wieder spannend, wie die Autoren das definieren. Vor allem das Wort „Respekt“ ist ja oft negativ besetzt, was hier auch direkt angesprochen wird.
Für Bernd und Kerstin geht es bei Respekt vor allem darum, dass das Pferd jederzeit weggeschickt werden kann und versteht, dass Nähe zum Menschen zwar schön ist, wir sie aber jederzeit beenden können.
Der Umgang mit Pferden zeigt oft gut, wie wir generell in Beziehungen sind. Es gibt ja dieses Sprichwort: so wie wir eine Sache tun, tun wir Alles. Deshalb ziehen die Autoren am Anfang des Buches tatsächlich auch viele Parallelen zu menschlichen Beziehungen. Mir fiel es trotzdem etwas schwer so manchen Ansatz auf die Pferd-Mensch-Beziehung zu übertragen. Hier hätte ich mir etwas mehr Erklärung gewünscht.

Wann ist ein Problem ein Problem?
Der Titel des Buches ist ja „Probleme sind lösbar“. Dafür geht es erstaunlich wenig um konkrete Probleme…
Dafür wird aber die Frage gestellt, wann ein Problem überhaupt als solches empfunden wird. Häufig findet der eine ein Verhalten niedlich oder völlig normal, während der andere zum gleichen Verhalten sagen würde, dass das übergriffig und ein echtes Problem ist.
Hier wird man aber auch dazu aufgefordert nochmal genau hinzuschauen:
- Wo rede ich mir etwas schön?
- Oder verharmlose ich sogar ein gefährliches Verhalten?
„Ein Pferd lieben bedeutet, auch Ecken und Kanten zu akzeptieren.“
Zitat aus dem Buch „Probleme sind lösbar“
Sehr schön finde ich, dass Bernd und Kerstin immer wieder darauf eingehen, dass es nicht darum geht ein Pferd zum Roboter zu machen. Es soll für uns händelbar sein. Aber dabei nicht seine Seele oder seinen Charakter verlieren. Manches ist nämlich auch einfach Teil des Charakters eines Pferdes.
Bei einem 4-seitigen Beziehungs-Check kannst du anhand von einem Fragenkatalog den Status Quo deiner Beziehung mit deinem Pferd ermitteln.


Pferdetraining mit Bernd Hackl und Kerstin Rester
Wenn du dich schon ein bisschen mit Natural Horsemanship beschäftigt hast und Bernd Hackl bei den Pferdeprofis im Fernsehen gesehen hast, wird dir einiges bekannt vorkommen, wenn es um das konkrete Training geht.
Die 10 Grundregeln des Pferdetrainings, damit es gar nicht erst zu Problemen kommt, sind laut Bernd folgende:
- Konsequenz und Führung
- Respekt und Vertrauen
- Partnerschaft herstellen bzw. erhalten
- Psychische und Physische Losgelassenheit
- Weich und leicht
- Direktes und indirektes Gefühl
- Verantwortungsbewusst Selbstbewusstsein fördern
- Energie aufbauen und zurücknehmen
- Arbeit an Kondition und Muskulatur
- Passendes, geeignetes Equipment
Im Buch wird jeder der 10 Punkte ausführlich besprochen. Dabei wird aber auch darauf eingegangen, wie wichtig es ist, dass der Mensch ehrlich mit sich ist und auch an sich selbst arbeitet. Dabei geht es nicht nur darum mehr Wissen zu erlangen, sondern auch an der eigenen emotionalen und körperlichen Fitness zu arbeiten.
Auch beim Pferd sollen körperliches und geistiges Training Hand in Hand gehen. Dafür wird ein Ampelsystem erklärt, das tatsächlich sehr logisch ist. Das Pferd sollte nie überfordert werden: weder geistig, emotional noch körperlich. Aber für Trainingsreize braucht es eben auch ein bisschen Anspannung – auf verschiedenen Ebenen.
„Pferde sollten sich im Laufe des Trainings zu selbstbewussten Individuen entwickeln.“ / „Unter keinen Umständen sollte das Training eines Pferdes sein natürliches Interesse an der Umwelt und den wachen Blick beeinträchtigen.“
Zitat aus dem Buch „Probleme sind lösbar“
Statt nun also konkrete Probleme anzusprechen, werden in dem Buch 7 Basisübungen für ein entspanntes Miteinander erklärt. Diese Übungen sind allerdings auch die, bei denen oft die meisten Probleme im Umgang mit Pferden auftauchen:
- Aufhalftern
- Anbinden
- Verhalten am Putzplatz
- Weichen vom Futter
- Führen mit Halfter
- Vor- und Hinterhandkontrolle
- Training mit Objekten (Desensibilisierung)
Vieles, was als selbstverständlich gilt, wie das Aufhalftern und Anbinden wird nochmal von Grund auf besprochen. Dabei kommt man automatisch ins Nachdenken, wie fein und weich es gehen könnte, wenn man sich die Zeit nimmt auch diese Dinge nochmal ordentlich zu trainieren.
So wird der Begriff Halfterführigkeit nochmal analysiert. Was genau bedeutet das eigentlich?
Kannst du zum Beispiel dein Pferd von vorne, von der Seite und von hinten führen?
Bei der Hinterhand- und Vorhandkontrolle hilft es sehr, wenn man die Bilder aus den Pferdeprofi-Folgen im Kopf hat. Wenn du nämlich keine Horsemanship-Erfahrung oder eine links-rechts-Schwäche hast, ist der Text dazu etwas schwer nachzuvollziehen. Hier hätten tatsächlich mehr Fotos geholfen.
Sehr ausführlich wird auch das Thema Desensibilisierung und Gelassenheitstraining mit verschiedenen Objekten besprochen. Sehr gut fand ich hier, dass nochmal auf die Problematik hingewiesen wird, dass Pferde Dinge einmal mit dem linken Auge und auch einmal mit dem rechten Auge als ungefährlich einstufen müssen und dort keine Transferleistung besteht. Vor allem aber wird erklärt, dass das gleiche Ding vor dem Pferd, hinter dem Pferd und auch unter und über dem Pferd nochmal etwas völlig anderes sein kann. Etwas, das ich tatsächlich selbst schon oft erlebt habe, aber mir nie so genau Gedanken darum gemacht habe.
Was man vielleicht noch wissen sollte: Bernd und Kerstin arbeiten generell völlig ohne Futterlob. Für sie ist das etwas, das ein ranghöheres Pferd nicht tut… also Futter abzugeben. Sie nutzen diese Logik sogar so, dass sie als „Ranghöherer“ das Pferd vom Futter vertreiben als spezielle Übung.
Auch wenn du und ich das vielleicht anders sehen, finde ich den Ansatz durchaus interessant.

Fazit
Generell ist der Titel des Buches etwas irreführend. Es geht nämlich nicht um konkrete Probleme, sondern darum, wie man sie mit gutem Training von vorneherein vermeidet. Wenn bereits große Probleme bestehen, wird aus diesem Buch wahrscheinlich eher klar, dass man Hilfe benötigt, um diese zu lösen.
Und auch wenn das Wort Horsemanship hier nie fällt, sind doch viele Prinzipien aus dem Natural Horsemanship wiederzufinden.
Das Buch regt auf jeden Fall zum Nachdenken an, wo man mit dem eigenen Pferd nochmal an den Basisübungen arbeiten kann, damit diese noch weicher und leichter werden und gibt Tipps, wie man das konkret machen kann.
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Über die Autorin
Hallo, ich bin Jessica Freymark, achtsame Pferdefotografin und unterstütze seit 2017 Menschen dabei, viele wunderschöne und natürliche Fotos von ihren Pferden zu bekommen. In meinem Blog teile ich praxisnahe Tipps, Erfahrungen und Inspiration rund um den achtsamen Umgang mit Pferden und die Pferdefotografie.


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