Polarlichter in Deutschland sind selten. Und dennoch hatte ich schon 3x das Glück welche zu sehen und auch zu fotografieren. Da das in Berlin eher schwierig ist, bin ich dafür raus aus der Stadt und zu meinen Pflegepferden gefahren. Wann warst du das letzte Mal nachts bei deinem Pferd? Ich meine, wenn nicht gerade Silvester und kein medizinischer Notfall ist…
In diesem Blogartikel teile ich meine spannenden Erlebnisse auf der Pferdeweide, aber auch meine Erfahrungen in der Polarlicht-Pferde-Fotografie mit dir. Du bekommst praktische Tipps, wie du überhaupt von Polarlichtern erfährst und worauf es ankommt, wenn du sie mit Handy oder Kamera fotografieren willst.


Nachts auf der Pferdeweide…
„Neeein, Jack, nicht die Kamera anknabbern.“
Schnell renne ich, so gut das im Dunkeln eben geht, zurück zu der Stelle, wo ich meine Kamera auf dem Stativ hab stehen lassen. Gerade noch rechtzeitig kann ich sie vor Jacks neugieriger Nase retten. Und vor allem seinen Zähnen. Denn Jack gehört zu den Pferden, die auch überall reinbeißen müssen, um es zu erkunden. 😉
Lachend streichle ich mein Pflegepferd. Eigentlich finde ich ja toll, dass er so offen und zugewandt ist und sich alles angucken will. Aber meine Kamera ist dafür halt einfach zu teuer…
Aber lass uns von vorne beginnen.
Warum stehe ich eigentlich mitten in der Nacht auf der Pferdeweide?

Wenn der Himmel plötzlich explodiert… mitten in Berlin
Es ist kurz vor 23 Uhr und eigentlich will ich ins Bett.
Aber heute Nacht sollen Polarlichter bis nach Süddeutschland möglich sein… Das wäre ja schon cool. *seufz*
Also gehe ich nochmal raus auf den Balkon, um ein weiteres Test-Foto zu machen.
Seit ein paar Stunden schon, steht dort meine Kamera auf einem Stativ. Immer wieder hatte ich voller Hoffnung den Auslöser gedrückt. Jetzt hoffte ich eigentlich ins Bett zu können.
Doch dann…
Mein Herz fängt an schneller zu schlagen.
Da.
Ein roter Schimmer auf meiner Kamera!
Polarlicht!
Mitten in Deutschland. Mitten in Berlin.

Jetzt bin ich wieder wach. Ich ziehe mir eine dickere Jacke und richtige Schuhe an und stell mich auf den Balkon.
Im Minutentakt verändert sich das Bild, das sich mir bietet.
Um 23:15 dann beginnt der Himmel regelrecht zu explodieren…
Ich sehe mit bloßem Auge einen hellen Streifen über mir und einen rötlichen Schimmer. Auf der Kamera sehe ich rote, pinke und grüne Beamer! Das sind diese Streifen:

Ja ich muss zugeben, ich bin ein bisschen ausgerastet. XD
Mir war sofort klar… um das richtig gut fotografieren zu können, muss ich aus der Stadt raus. Und neuerdings stehen meine Pflegepferde auf einem Paddocktrail mit einer riesigen Weide in der Mitte. Und von dort aus habe ich einen unendlich weiten Blick in fast alle Richtungen.
Mein Herz klopft wild und ich bin vor Aufregung richtig hektisch.
Ich zieh mir schnell noch etwas mehr an… es sind 9°C und die können doch recht kalt werden, wenn man länger steht.
Schnell noch einen Ersatzakku einstecken, andere Objektive und was zu trinken.
10 Minuten später fahre ich so schnell es eben geht (ohne gegen die Straßenverkehrsordnung zu verstoßen :P) raus aus der Stadt.
Um 23:45 steige ich im Dunkeln aus dem Auto und bekomme plötzlich Angst. Ich bin ganz allein im Dunkeln. Auf einem verlassenen Feldweg. Mit großen Büschen und Bäumen, wo Wildschweine oder Wölfe sein könnten…
Schnell flitze ich zum Eingangstor, gebe die Zahlenkombi ein und öffne es. Als ich erstmal in unserem eingezäunten Gelände bin, atme ich durch.
Über mir sehe ich immer noch einen leichten grauen Schleier. Also baue ich erstmal direkt meine Kamera auf und fotografiere den Himmel:

Gigantisch!
Und trotzdem habe ich den intensivsten Moment wahrscheinlich verpasst, weil ich im Auto gesessen habe.
Es ist nicht mehr so stark wie von meinem Balkon aus.
Aber ich weiß von Recherchen, dass Polarlicht oft in Wellen kommt. Es könnte also nochmal stärker werden.
Und wenn ich schonmal bei den Pferden bin, will ich sie auch begrüßen.
Der Paddocktrail ist lang. Aber ich hab eine Vermutung, wo sie sein könnten. Und tatsächlich finde ich sie dort, wo das Heu nicht weit weg ist.
Sie scheinen alle zu dösen.
Einer liegt sogar.

Es ist eine unglaublich friedliche, schöne Stimmung.
Ich möchte gar nicht stören und begrüße nur kurz Jack, der weiter vorne steht und die Ohren spitzt, als ich komme.
Dann versuche ich mit etwas Abstand Fotos zu machen. Inzwischen ist der Himmel auf den Fotos vor allem lila…
Mit dem Weitwinkel-Objektiv, das ich auf der Kamera habe, bekomme ich zwar viel Himmel aufs Bild. Aber Pferde wirken damit sehr verzerrt.

Für dieses Foto habe ich Jack mit meiner Stirnlampe angeleuchtet. So sieht man ihn besser. Besonders nett und achtsam ist das aber natürlich nicht, ihn so zu blenden mitten in der Nacht. Deshalb mache ich das an diesem Abend nur das eine Mal als Test.
Was man hier gut sieht sind die verzerrten Proportionen… viel zu lange Vorderbeine und ein langer Hals lassen Jack fast wie eine Giraffe aussehen. 😛
Und hier hat er einen riesigen Hintern:

Das war meine 1. Erfahrung mit Polarlichtern in Deutschland.
Es war die Nacht vom 10. auf den 11. Mai 2024.
Ich sollte noch mehr Chancen bekommen: am 10. Oktober 2024 und am 19. Januar 2026.
Auch diese Male fuhr ich raus zu den Pferden. Immer mit der gleichen Aufregung. Nur mit zunehmend mehr Selbstbewusstsein und weniger Angst. Was vor allem auch daran lag, dass sich das mit den Polarlichtern rumspricht und inzwischen einige Nachtschwärmer unterwegs sind, um draußen vor den Toren Berlins bessere Sicht zu haben. 😉 Ganz alleine bin ich also eigentlich gar nicht mehr.

Mit den Pferden unterm Polarlicht-Sternenhimmel
Ich bekam die Frage, ob die Pferde irgendwie auf das Polarlicht reagieren würden.
Nein, jedenfalls nicht unsere 4 Pferde. Allerdings sehen die Polarlichter in Deutschland mit bloßem Auge auch eher weiß-grau aus. Wenn man nicht darauf achtet, würde man meinen, es sind Wolken.
Dadurch gehe ich davon aus, dass die Pferde das gar nicht als etwas besonderes wahrgenommen haben.
Was aber besonders war, war ich. Mitten in der Nacht. Sonst sehen sie uns Menschen ja nur tagsüber. *lach*
Und für mich war das auch besonders.
Jetzt wo ich schon 3x da gewesen bin, muss ich aber sagen, dass die Pferde nicht viel anders sind als tagsüber.
Es gibt Ruhephasen, wie in der Stunde, wo ich im Mai dort war.
Und dann gibt es Momente, wo sie eben einfach fressen wie sonst auch. Und das obwohl scheinbar der Himmel über ihnen brennt:

Nur meine Kamera finden sie dann meistens doch ganz spannend. Vor allem, wenn ich sie auf dem Stativ stehen habe und mal ein paar Meter weggehe. Dann steht da plötzlich dieses unheimliche Teil auf ihrem Paddock.
Da fängt sogar Janek an zu schnauben wie ein Drache… Aber immerhin brauch ich mir bei ihm keine Sorgen zu machen, dass er die Kamera anknabbert oder umwirft. Erinnerst du dich an die kleine Anekdote vom Anfang? 😉


Ein Glücksmoment, der gar nichts mit den Polarlichtern zu tun hatte
Im Oktober 2024 waren die Bedingungen sehr ähnlich wie die, die ich dir am Anfang sehr ausführlich beschrieben habe.
Es war frisch draußen.
Es war kurz vor Mitternacht.
Und die Polarlichter waren von meinem Balkon aus besser zu sehen gewesen als eine halbe Stunde später auf der Pferdeweide.
Aber ich wusste ja vom letzten Mal noch, dass auch Fotos mit lila Himmel ganz cool aussehen. Außerdem wollte ich natürlich die Pferde begrüßen.
Da war nur ein Problem.
Diesmal war die Weide offen.
Sie konnten also überall sein.
2 Hektar im Dunkeln nach 4 Pferden absuchen… das würde lustig werden. XD

Doch es kam anders.
Ich stand gerade mitten auf der Weide als ich etwas näherkommen sah. Der Vorteil an Schecken ist, dass man sie (genau wie Schimmel) auch nachts ganz gut erkennen kann. 😉
Und tatsächlich fand Jack mich!
Er kam, um mich zu begrüßen. 😀
Er war sogar richtig begeistert über meinen nächtlichen Besuch. Neugierig ließ er mich minutenlang gar nicht in Ruhe. Er fand es einfach suuuper spannend, dass ich um diese Uhrzeit da war und natürlich was ich da mitgebracht hatte. 😀
Ich hatte ständig seine Nase im Gesicht oder auf der Kamera und musste aufpassen, dass er nicht irgendwo reinbiss. *lach*
An Fotografieren war erstmal nicht zu denken.
Aber viel Polarlicht gab es ja gerade eh nicht zu sehen und so ging ich auf Jacks Spielaufforderungen ein.
Ich werde nie vergessen, wie wir da nachts alleine auf dieser riesigen Weide herumgealbert haben. Er folgte mir hierhin und dorthin. Manchmal kam er mir sogar im Trab hinterher. Wenn er mich „gefangen“ hatte, kraulte ich ihn oder spielte Spielchen mit seiner Nase.
Und dann standen wir einfach wieder nur nebeneinander und schauten gemeinsam in den Nachthimmel.
Was für wunderschöne Momente, die ich in meinem Herzen gespeichert habe. 🙂

Manchmal ging Jack auch wieder etwas weg, um alleine zu grasen. Er bleib dabei aber immer in meiner Nähe. So war ich die 2,5 Stunden nie alleine! Und das ist echt eine lange Zeit. 😀
Wenn Jack mal etwas weiter weg war, konnte ich sogar ein paar ordentliche Fotos machen. 😉


Überraschung um halb 2 Uhr nachts
Nach den Spielereien mit Jack bin ich irgendwann doch müde und will eigentlich abbrechen. Als ich oben am Unterstand bin, fällt mir ein, dass Janek gerade eine kleine Wunde hat, die wir regelmäßig verarzten.
Und wenn ich schonmal da bin?
Warum also nicht nachts um 1?
Ich lasse die Kamera also oben am Unterstand (in Sicherheit vor neugierigen Pferdenasen) stehen und gehe nochmal zurück. Janek stand mit den anderen 2 Pferden auf dem Trail. Das hatte ich vorhin schon mitbekommen.
So war er recht schnell zu finden.
Doch als ich gerade fertig war, und wieder hoch schaute…
Stockte mir der Atem!
Über mir schien der Himmel plötzlich zu brennen! Ich sah einen roten Streifen über einem hell weißen Streifen und dazu deutlich sichtbare Beamer! Das sind diese senkrechten Streifen.
So schnell es im Schein der Stirnlampe ging, eilte ich zurück zu meiner Kamera, um sie neu auszurichten und dieses geniale Schauspiel aufzunehmen:

Das war der absolute Knaller!
Und trotzdem… was mich in dieser Nacht besonders berührt hat, waren die Stunden mit Jack. Diese unglaublich schöne Verbundenheit. Dieses gemeinsame Spiel. Ohne Erwartungen oder Vorgaben.
Einfach er und ich.
Allein in der Nacht.
Bevor ich dir jetzt erkläre, wie du auch Polarlichter finden und fotografieren kannst, möchte ich dir das unbedingt noch mit auf den Weg geben:
Wenn du Polarlichter mit den Pferden fotografierst…
Sei offen für die Momente und Chancen, die sich dir bieten. Vielleicht ist es nicht das perfekte Bild, was du mit nach Hause nimmst. Aber dafür ein glückliches Herz und ein seeliges Lächeln. 🙂

Polarlichter in Deutschland
Ich möchte hier gar keine wissenschaftliche Erklärung abgeben, wann und wie es zu Polarlichtern kommt. Dafür gibt es Experten, die das besser können.
Nur so viel möchte ich hier sagen: Polarlichter in Deutschland sind eher selten.
Sie kommen nur dann vor, wenn die Sonne sehr aktiv ist und große Eruptionen besonders viele Teilchen ins All schleudern.
2024 bis 2026 ist ein Solares Maximum, also eine Zeit, wo die Sonne sehr aktiv ist. Das kommt ca. alle 11 Jahre vor. Und dieses Maximum ist diesmal eben besonders stark.
Es gibt 2026 also eventuell nochmal eine Chance…
Du brauchst jetzt aber nicht jeden Tag rauszugehen in der Hoffnung Polarlichter zu sehen…

Wie erfahre ich frühzeitig von Polarlichtern?
Es gibt eine Webseite, die nennt sich Polarlicht-Vorhersage Deutschland: https://www.polarlicht-vorhersage.de/
Dort findest du im oberen Bereich Links zu einer Facebook-Seite, einem Telegram Kanal und einer App.
Über all diese Kanäle bekommt man Infos.
Besonders effektiv finde ich persönlich allerdings ihre E-Mail-Warnliste. Wenn man dadrauf steht, bekommt man ca. 2 Tage vorher eine E-Mail. Nämlich dann, wenn es eine große Sonnen-Eruption gab deren Teilchen nun Richtung Erde fliegen.
Meistens stehen darin Fachbegriffe, die ich nicht verstehe… Macht aber nichts.
Das Wichtigste versteht man: an welchem Tag und zu welcher Uhrzeit gibt es Chancen auf Polarlicht in Deutschland?
Hier findest du alle Infos zur Mail-Liste: https://www.meteoros.de/themen/polarlicht/warnliste/

Der Tag der Tage – Die Spannung steigt
Ist der Tag gekommen, an dem die Teilchen auf die Erde treffen sollen, macht es Sinn Ausschau zu halten, sobald es dunkel draußen ist.
Polarlicht-Vorhersagen sind nämlich noch unsicherer als der Wetterbericht. 😉
Oft ist es auch ein Fehl-Alarm. Dann fliegen die Teilchen doch an der Erde vorbei ohne uns zu treffen. Oder sie sind zu schwach. Oder sind doch nur in Skandinavien zu sehen.
Wenn sie aber in Deutschland zu sehen sind, dann oft auch früher oder später als angekündigt.
Im Januar 2026 war das Maximum für morgens zwischen 5 und 7 Uhr angekündigt. Ich habe aber schon um 21:30 erstes Polarlicht auf der Kamera gehabt.
Du kannst an solchen Tagen auch einfach dein E-Mail Postfach, den Telegram Kanal oder die Facebook Gruppe im Auge behalten. Meistens geht es dort den ganzen Abend hoch her und sobald die ersten Polarlicht fotografiert haben, teilen sie ihre Bilder.
Ansonsten kannst du auch auf der Webseite von Polarlicht Vorhersage Deutschland die „aktuelle Polarlicht-Wahrscheinlichkeit“ oben auf der Seite beobachten.
Wichtig: natürlich muss bei dir ein sternenklarer Himmel zu sehen sein. Ist es bewölkt, hast du logischerweise keine Chancen. Ein paar Wölkchen sind kein Problem, verdecken aber natürlich Teile vom Polarlicht.


Für Zahlen-Fans: von Kp-Index bis bz-Wert
Du magst Zahlen und Graphen und willst es etwas genauer wissen?
Nein? Dann spring jetzt einfach direkt zum nächsten Kapitel…
Es gibt einige Werte, die wichtig sind, um starke Polarlichter in Deutschland sehen zu können.
Stell dir einfach vor so ein Sonnensturm ist eine Herde wilder Pferde, die auf uns zu galoppiert.
- Eine Geschwindigkeit von über 500km/s ist super. Je schneller desto eher sieht man auch das „Tanzen“ der Polarlichter
- Eine Dichte (also viele Pferde = Teilchen auf kleinem Raum) von 10-20 p/cm³ bringt starke, leuchtende Farben.
- Der Kp-Index (oder die K-Prediction) sagt uns quasi, wie groß die Herde ist und ob wir sie an unserem Wohnort sehen könnten.
- Kp 1-4: keine Chance in Deutschland
- Kp 5-6: In Norddeutschland hast du eventuell Chancen
- Kp 7: Auch in der Mitte Deutschlands erhöhen sich die Chancen
- Kp 8-9: Polarlichter möglicherweise bis in die Alpen sichtbar
Nun hilft das aber alles nichts, wenn das „Weidetor“ geschlossen ist… Wir können die Polarlichter nur sehen, wenn die Teilchen nicht am Magnetfeld abprallen.
Und dafür ist der Bz-Wert entscheidend. Dieser muss unbedingt negativ sein! Am Besten bei -10 nT oder tiefer.
All diese Werte findest du in den meisten Polarlicht-Apps und auch auf der Webseite von Polarlicht Vorhersage Deutschland.

Wie erkenne ich Polarlichter?
Polarlichter in Deutschland sind meistens eher grau-weiße Schleier.
Wenn du einen grauen Streifen einmal quer über den Himmel siehst, durch den auch Sterne hindurchleuchten, solltest du unbedingt aufmerksam werden!
Durch eine Wolke hindurch sind Sterne nicht sichtbar!
Das ist der Unterschied zwischen Wolke und Polarlicht.
Aber dafür muss man schon genau hingucken. Das ist der Grund warum viele das Spektakel gar nicht mitbekommen. Das Gehirn klassifiziert das helle Ding am Himmel sofort als Wolke und damit als unwichtig. Du denkst wahrscheinlich nicht mal drüber nach.
Deshalb ist es so wichtig auf dieser E-Mail-Warnliste zu stehen oder eben in der Telegram oder Facebook-Gruppe.
Nur selten ist auch ein schwaches rot und noch seltener ein schwaches grün mit bloßem Auge zu sehen!
Und die Apps mit all ihren Zahlen, Grafiken und Vorhersagen können sich auch irren. Ich hatte eine Aurora-App („Meine Polarlicht-Vorhersage“) ausprobiert, die im Januar 2026 bei dem irren Event nur 1% Wahrscheinlichkeit für Polarlicht vorhergesagt hat.
Haha. Das war wirklich ein guter Witz.
Am Einfachsten und Sichersten ist es deshalb immer noch, einfach ein Foto zu machen!

Polarlichter fotografieren mit Handy
Aber wie geht das jetzt am Besten?
Zuerst einmal solltest du herausfinden, wo Norden ist. Die Wahrscheinlichkeit dort Polarlichter zu entdecken ist generell höher als in andere Richtungen. Erst wenn eine richtige Show abgeht, erstreckt sich das Polarlicht auch über uns und ist damit auch Richtung Osten und Westen zu sehen.
Und dann hältst du dann Handy einfach Richtung Norden und machst ein Foto.
Wahrscheinlich erkennt dein Handy automatisch, dass es Nacht ist und macht eine sogenannte Nachtaufnahme.
Bei Samsung Handys siehst du dann, wie sich der sonst weiße Auslöser langsam gelb färbt. Bei anderen Handys wird es vermutlich anders angezeigt.
Auf jeden Fall musst du dein Handy still halten! Nachtaufnahmen dauern 1-2 Sekunden.
Bei starkem Polarlicht solltest du jetzt bereits etwas auf deinem Handy sehen.

Wenn du ein Stativ für dein Handy hast oder es zum Beispiel an einen Zaunpfahl lehnen kannst, kannst du auch probieren in die Pro-Einstellungen zu gehen. Dort kannst du die Belichtungszeit auf 10 oder sogar 30 Sekunden stellen. Dann wird auch schwächeres Polarlicht sichtbar oder die Farben intensiver.
Wichtig: das Handy darf nicht wackeln! Sonst ist auch das Foto sofort verwackelt.

Polarlichter fotografieren mit Kamera
Für Kamerafotos brauchst du unbedingt ein Stativ und einen Fernauslöser (mit Kabel oder Funk), damit du Auslösen kannst ohne die Kamera zu berühren.
Du kannst die Kamera natürlich auch auf einen Stapel Bücher legen oder einfach auf den Bogen. Aber komfortabler für dich ist ein Stativ auf jeden Fall. 😉
Dann musst du dich für ein Objektiv entscheiden. Da Polarlichter sich oft über den ganzen Himmel erstrecken, macht ein Weitwinkel-Objektiv Sinn. So bekommst du möglich viel vom Polarlicht drauf. Stelle es also auch auf die kleinste Brennweite (z.B.
Nun musst du das Bild scharf bekommen.
Und hier haben wir oft ein Problem. Denn die Kamera kann die Polarlichter nicht nutzen, um zu fokussieren. Und alles andere ist in der Regel viel zu dunkel nachts.
Manche Objektive haben eine „Unendlich“-Markierung, also eine liegende 8. Stelle dein Objektiv also auf MF (=Manueller Fokus) und drehe den Fokussierungs-Ring auf das Unendlich-Zeichen.
Mein Weitwinkel-Objektiv hat das nicht, was mich regelmäßig zur Verzweiflung bringt. In dem Fall hilft nur einen hellen Fleck weit in der Ferne (!) zu nutzen, um mit dem Auto-Fokus darauf scharf zu stellen. Direkt danach stellst du auf den manuellen Fokus um und berührst das Objektiv am Besten gar nicht mehr!
So ein heller Fleck kann der Mond, ein besonders heller Stern oder Planet sein oder auch die möglichst weit entfernte Straßenlaterne. Je weiter weg, desto besser.
Jetzt zu den Einstellungen:
- Weißabgleich: Wirklich wichtig für die richtigen Farben! Hier hat der Automatische Weißabgleich oft Probleme, weil sich die Aurora ständig ändert. So würden deine Bilder mal eher rot und mal eher blau/lila wirken. Versuch es mit Kunstlicht (ca. 3500 K), damit der restliche Himmel schön dunkelblau bleibt und nicht bräunlich wird. Scheint der Mond sehr hell, kann aber auch Tageslicht funktionieren.
- ISO: fang mal mit 1600 an. Ist das Polarlicht hell und neigt deine Kamera zum Rauschen, kannst du auch mal auf 800 gehen.
- Blende: so weit offen wie möglich (also eine kleine Zahl)
- Belichtungszeit: Probiere es mal mit 5 oder 10 Sekunden.
Ist das Bild zu dunkel, versuche es mit einer längeren Belichtungszeit oder auch einem höheren ISO.
Zu hell wird das Bild vermutlich nicht sein, wenn du die Werte von oben genutzt hast. Wenn doch, versuche eine kürzere Belichtungszeit.
Denk daran: Polarlichter „tanzen“ über den Himmel.

Bestimmt kennst du entsprechende Videos aus dem Internet. In Skandinavien tun sie das tatsächlich. Bei uns in Deutschland ist diese Bewegung meist so langsam, dass wir sie mit bloßem Auge nicht wahrnehmen.
Wenn du aber mehrere Fotos von der gleichen Stelle aus machst, wirst du die Bewegung wie bei einem Daumenkino sichtbar machen können.
Vor allem, wenn senkrechte Striche (Beamer) auftauchen, sieht man an ihnen sehr gut die Bewegungen.
Aber: je länger deine Belichtungszeit ist, desto mehr verwischen die Bewegungen und du bekommst einfach nur ein farbiges Band.

Polarlichter + Pferde fotografieren (Handy / Kamera)
Die schönsten Polarlicht-Fotos haben oft noch etwas anderes im Bild… das Bergpanorama oder der See, in dem sich die Lichter spiegeln. Oder ein einzelner Baum oder eine Kirche als schwarze Silhouette vor den bunten Polarlichtern.
Pferde als Vordergrund-Motiv sind eine echte Herausforderung.
Erstens musst du sie scharf stellen, was im Dunkeln super schwierig ist.
Und zweitens bewegen sie sich oft, so dass sie selbst bei 5 Sekunden Belichtungszeit unscharf werden.
Deshalb ist ein besonders guter Moment, wenn sie gerade stehen und dösen. Dann hast du für beides mehr Zeit. 😉

Das erste Scharfstellen bekommt das Handy meist besser hin als die Kamera. Das Handy denkt nämlich mit.
Mit der Kamera kannst du manuell scharf stellen, also über den vorderen Ring am Objektiv. Das braucht ein gutes Auge, Gefühl und in meinem Fall auch immer viel Glück. Ich bin darin nämlich echt schlecht. 😛


Pferd Anleuchten: Pro und Contra
Sowohl zum Scharf stellen, als auch um das Pferd auf dem Foto sichtbarer zu machen, kannst du es natürlich auch mit einer Taschenlampe anleuchten.
Aber: das ist nicht achtsam!
Ein einziges Mal ist oft noch entschuldbar. Aber wenn du das mehrfach machst, kostet das Beziehungspunkte! Manch ein Pferd ist toleranter als ein anderes. Aber du solltest dir auf jeden Fall bewusst sein, dass du das Pferd in dem Moment blendest und das völlig unvorbereitet. Pferde können sich nicht so schnell wie wir von Hell- auf Dunkel-Sehen umstellen (und andersrum). Deshalb blendest du es nicht nur für die kurze Zeit, wo du die Taschenlampe eingeschaltet hast, sondern länger.
Achte deshalb darauf dem Pferd nicht voll ins Gesicht zu leuchten sondern erstmal auf den Körper. Wenn es dann die Augen zu macht, kannst du auch mal kurz über den Kopf leuchten.


Wichtig: mach das unbedingt wieder gut bei deinem Pferd!
Lobe es dafür, dass es mitmacht. Bedank dich bei ihm. Und achte gut auf die Körpersprache. An der Mimik (Maul / Nüstern) oben auf dem Foto siehst du gut, dass Jack das nicht toll findet.
Deshalb habe ich danach Leckerlis geholt und noch etwas mit ihm herumgealbert. Er liebt es Tricks zu machen, denn nur dafür gibt es Leckerlis. Damit hab ich seine Laune sofort stark verbessert.
Und konnte dann auch nochmal etwas mit Selbstauslöser und Taschenlampe experimentieren:



Vielleicht gibt es ja aber auch eine Lichtquellen, die nichts mit dir zu tun hat… hier kam ein Auto und hat mich und Janek angeleuchtet. Ich wollte ihn eigentlich gerade begrüßen und musste dann in der Bewegung mit ausgestreckter Hand erstarren, damit ich nicht unscharf werde. 😉

Beim Handy ist es wichtig zu sagen, dass die Polarlichter auch ganz anders aussehen werden, je nachdem ob du dein Pferd beim Fotografieren anleuchtest oder nicht:


Außerdem ist das beides gleichzeitig gar nicht so einfach ohne zu wackeln. Rechts siehst du, dass ich dadurch den Schatten des Handys mit im Bild habe.

Scherenschnitt-Fotos
Die Alternative zum Anleuchten ist das Pferd einfach dunkel als Silhouette vor den Polarlichtern zu zeigen.
Dazu muss es wirklich still stehen.
Und sei dir bewusst, dass das ganze Pferd nur zu sehen sein wird, wenn du die Kamera auf den Boden legst und nach oben fotografierst… oder es bei dir bergiger ist und dein Pferd oben auf einem Hügel steht.
Beides war bei mir nicht möglich. Deshalb sieht mein Foto so aus:

Oder so… Da bin ich mit drauf und durch die Bewegungen sind wir beide unscharf.

Wenn dein Pferd ein Schimmel oder Schecke ist, sind eventuell trotzdem mehr Teile zu erahnen:


Lightpainting
Das „Malen mit Licht“ bedeutet, dass du mit Selbstauslöser fotografierst und mit einer Taschenlampe ins Bild gehst. Du kannst ganz gezielt Lichtakzente setzen oder auch Formen mit deiner Taschenlampe in die Luft malen. Letzteres ist deutlich schwieriger… hier wollte ich gerne ein Herz malen:


Auch wenn das nicht ganz geklappt hat…
Der Plan die gefrorene Pfütze als Spiegelungsfläche im Vordergrund mit ins Bild zu nehmen, hat funktioniert.

Wenn du noch Motiv-Ideen für klassisches Tageslicht-Pferdefotos suchst, hol dir hier für 0€ „Motivliebe I – 11 Motiv-Ideen für achtsame Pferdefotos“:


Bildbearbeitung bei Polarlicht-Fotos
Bildbearbeitung macht oft aus einem guten Bild ein großartiges Bild.
Warum Bildbearbeitung oft nötig ist und welche Schritte ich dabei bei Pferdefotos mache, findest du in diesem Blogartikel: https://jessica-freymark.de/natuerliche-bildbearbeitung-teil-1-wie-wo-was-wieso-weshalb-warum/
Und wie man mit Licht den Blick eines Betrachters lenkt, erfährst du hier: https://jessica-freymark.de/natuerliche-bildbearbeitung-teil-2-wie-ich-mit-licht-deinen-blick-leite/
Jetzt soll es aber konkret um die Bildbearbeitung von Polarlicht-Fotos gehen.
Hier einmal zum Vergleich…
So in etwa sah es für mich mit bloßem Auge aus:

Das war das Originalbild aus der Kamera:

Und so sieht es bearbeitet aus:

Krasser Unterschied, oder?
Ich hoffe, du bist jetzt nicht enttäuscht.
Meistens ist das ein Aha-Moment für viele. So hell leuchtende Polarlichter kann man in echt sehen… das habe ich auf Island ja erlebt. Erinnerst du dich an die Fotos oben?
Aber in Deutschland ist das eher unwahrscheinlich.
Was mache ich jetzt also in der Bildbearbeitung?
Zuerst einmal stelle ich meistens fest, dass die Bilder auf dem Laptop oder PC dunkler aussehen als nachts auf dem Kamera-Display. Ich muss sie also komplett aufhellen oder nur den Himmel, um die Polarlichter deutlicher sehen zu können.
Nun muss ich überlegen, ob ich den Vordergrund komplett schwarz oder sichtbar haben möchte. Eventuell helle ich also die dunklen Bereiche, wie z.B. das Pferd, lokal auf.


Dann habe ich meistens ein leichtes oder starkes Rauschen im Bild. Vor allem in den Bereichen, die ich stärker aufgehellt habe. Deshalb entrausche ich die Bilder. Das geht mit dem neuesten Lightroom Classic wirklich super mit einem einzigen Klick.
Dann schaue ich mir die Farben an. Gefallen mir dir? Ich möchte, dass der normale Himmel eher dunkelblau statt braun aussieht. Ich passe also den Weißabgleich, wenn nötig nochmal an. Die Farben der Polarlichter sind, wie sie sind. Natürlich kann man hier auch noch dran drehen. Aber das mache ich nicht.
Zum Schluss drehe ich das Bild noch gerade oder passe den Ausschnitt an, wenn nötig.
Und ich gucke, ob mich sonst irgendetwas stört… Autoscheinwerfer im Hintergrund? Oder ein Zaunpfahl, der auch noch angeleuchtet wurde?
Im Januar 2026 habe ich zum Beispiel auf dem Paddock fotografiert, genau an der Stelle, wo besonders viele Pferdehaufen lagen. Um die nicht zu sehen auf dem Foto und sie auch nicht alle entfernen zu müssen (weder in echt noch auf dem Bild) hab ich einen ganz einfachen Trick verwendet: ich habe einfach den Boden so abgedunkelt, dass er fast schwarz war. Dass ich dort ursprünglich auch meine Taschenlampe hingehalten hatte, weiß ja keiner. 😉


Das 1. Bild ist bereits aufgehellt. Siehst du das Rauschen (diesen „Krieselige“ im Vergleich zu rechts? Außerdem siehst du hier gut, wie ich den Boden abgedunkelt habe, damit man die Pferdeäppel nicht mehr sieht. 😉

Fazit
Polarlichter in Deutschland sind selten. Aber es gibt hin und wieder Chancen, die du am Besten mitbekommst, wenn du dich auf die E-Mail-Warnliste einträgst. Dann bist du vorgewarnt und bei sternenklarem Himmel kannst du am entsprechenden Tag Ausschau halten. In Deutschland siehst du meistens nur weiß-graue Schleier. Nutze deshalb dein Handy oder deine Kamera, um sicher zu gehen, dass es auch wirklich Polarlicht ist.
Fotografieren kannst du Polarlichter sowohl mit dem Handy (mit Nachtaufnahme) als auch mit der Kamera (mit Stativ, Weitwinkel-Objektiv, Langzeitbelichtung).
Besonders schön ist es, wenn du noch ein weiteres Motiv einbaust. Das kann ein einzelner Baum sein oder natürlich auch dein Pferd.
Sei auch nachts auf der Weide achtsam. Kein Foto ist es wert die Beziehung zu deinem Pferd zu gefährden. Auch kein Polarlicht-Foto! Wenn du also zum Beispiel dein Pferd mit der Taschenlampe anleuchtest, achte darauf ihm nicht unangekündigt direkt in die Augen zu leuchten und mache es danach wieder gut – mit Streicheleinheiten, Lob oder Leckerlis.
Bestimmt stellst du fest, dass die Zeit auf der nächtlichen Pferdeweide eine ganz besondere Magie in sich trägt. Und die ist vielleicht sogar besonderer als das Polarlicht. 🙂
Schreib mir gerne unten in die Kommentare, ob du selbst auch schonmal Polarlichter gesehen und fotografiert hast. 😀

Über die Autorin
Hallo, ich bin Jessica Freymark, achtsame Pferdefotografin und unterstütze seit 2017 Menschen dabei, viele wunderschöne und natürliche Fotos von ihren Pferden zu bekommen. In meinem Blog teile ich praxisnahe Tipps, Erfahrungen und Inspiration rund um den achtsamen Umgang mit Pferden und die Pferdefotografie.


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